2026-06-10
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Politik

Meloni verspricht weitere Steuersenkungen für die Mittelschicht und droht mit Durchgreifen gegen Scheinunternehmen

Die italienische Premierministerin nutzte eine Vollversammlung eines großen Handelsverbandes, um die Wirtschaftsagenda ihrer Regierung darzulegen und verbindet dabei Versprechungen zur Steuererleichterung mit einer deutlichen Warnung zur Einhaltung von Vorschriften.

2026-06-10·Italien·Zusammengefasst aus 2 Quellen
Grand building reflected in a calm pool of water
Photo: Zoshua Colah / Unsplash · illustrative

Italiens Premierministerin Giorgia Meloni trat am Dienstag vor der Nationalversammlung von Confcommercio, dem wichtigsten Verband der Handels- und Dienstleistungsunternehmen, auf. Sie nutzte diese Plattform, um zwei verknüpfte politische Botschaften auszusprechen: weitere Entlastung der Steuerbelastung für Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen und eine entschiedene Durchsetzung der Handelsvorschriften.

Bei der Besteuerung erklärte Meloni, dass die Regierung nicht bei den bereits ergriffenen Maßnahmen stehen bleiben will. "Wir wollen mehr tun, um die Steuerbelastung der Mittelschicht zu senken", sagte sie und setzte sich damit von namentlich nicht genannten politischen Gegnern ab, die sie beschuldigte, von Steuersenkungen zu sprechen, ohne diese umzusetzen.

Das geschäftsorientierte Fachmedium Il Sole 24 Ore hob Melonis Steuerzusage hervor, was die Bedenken seiner kommerziellen Leserschaft widerspiegelt. Die Premierministerin präsentiert die Zusage als laufendes Projekt und nicht als bereits abgeschlossen, was signalisiert, dass weitere Kürzungen auf der Legislativagenda bleiben.

Auf der Seite der Regulierung nahm Meloni einen merklich strengeren Ton an. Sie betonte die Bedeutung von Maßnahmen gegen sogenannte "Apri-e-Chiudi"-Betriebe – ein umgangssprachlicher italienischer Ausdruck für kurzlebige Unternehmen, die sich gründen, Einnahmen einnehmen oder Anreize ausnutzen und dann wieder schließen, bevor sie ihren Verpflichtungen nachkommen. "Italien ist kein Bananenstaat – Regeln müssen eingehalten werden", sagte sie nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA.

Die ANSA-Berichterstattung betonte diese Durchsetzungsdimension und hob hervor, dass die Regierung Konsequenzen gegen Unternehmen verhängen will, die behördliche Schlupflöcher ausnutzen. Die Kombination aus einer unternehmensfreundlichen Steuerbotschaft und einer Compliance-Warnung spiegelt eine wiederkehrende Spannung in der italienischen Handelspolitik wider: die Förderung von Unternehmertum bei gleichzeitiger Bekämpfung von Systemmissbrauch.

Confcommercio vertritt Hunderttausende von Unternehmen im Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungen – Branchen, die intensiv zu Steuerpolitik und Verwaltungsvereinfachung Lobbyarbeit betrieben haben. Melonis Auftritt vor der Versammlung ist eine übliche Gelegenheit für die Regierung, ihre wirtschaftlichen Prioritäten gegenüber einer wichtigen Wählergruppe signalisieren, bevor die Haushaltsberatungen im Herbst beginnen.

Italiens Mittelschicht ist unter Druck durch eine Kombination aus hohen Sozialversicherungsbeiträgen, automatischem Hochrutschen in höhere Steuerstufen und schwachem Lohnwachstum geraten, was Steuerreformen politisch brisant macht. Die Regierung hat bereits eine Pauschalbesteuerung für Selbstständige ausgeweitet und bescheidene Kürzungen bei Lohnsteuern eingeführt, doch Kritiker argumentieren, dass die strukturelle Belastung für angestellte Arbeitnehmer hoch bleibt.

Melonis Zusage vom Dienstag war nicht mit konkreten legislativen Zeitplänen oder Einnahmeziffern verbunden. Es ist unklar, wie zusätzliche Steuererleichterungen finanziert werden sollen, und ob weitere Kürzungen in das kommende Haushaltsgesetz aufgenommen werden, dessen Erarbeitung die Regierung in den kommenden Wochen beginnen dürfte.